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Kontaktlinsen-Lexikon

Sauerstoffmangel (Hypoxie)

Sauerstoffmangel im Auge kann schwere Folgen nach sich ziehen. Bei unzureichender Versorgung mit Sauerstoff kann es zu einer dauerhaften und unumkehrbaren Beeinträchtigung des Sehvermögens kommen. Die Fachbezeichnung für Sauerstoffmangel lautet Hypoxie.

Kontaktlinsen beeinflussen die Sauerstoffversorgung des Auges, da sie direkt auf dem Tränenfilm der Hornhaut "schwimmen". Heutzutage sind jedoch bereits lange Tragezeiten mit den entsprechenden Kontaktlinsen möglich. Diese sind beispielsweise Tag- und Nachtlinsen oder Linsen aus dem Kontaktlinsenmaterial Silikon-Hydrogel. Durch professionelle Anpassung kann Sauerstoffmangel im Auge ebenfalls vorgebeugt werden. Desweiteren dürfen die von den Kontaktlinsen-Herstellern angegebenen Tragezeiten der Linsen nicht überschritten werden.

Die Funktion von Sauerstoff im Auge

Für ein ungestörtes Sehvermögen ist die konstante Sauerstoffversorgung des Auges notwendig. Der Sauerstoff wird im Auge (wie auch im restlichen Körper) über die roten Blutkörperchen transportiert, an die sich der Sauerstoff bindet. Anschließend gelangt der Sauerstoff durch das Herz-Kreislauf-System an den jeweiligen Ort im Körper.

Für ein ungestörtes und scharfes Sehvermögen ist ebenfalls die Sauerstoffversorgung der Hornhaut im Auge wichtig. Die Transparenz der Hornhaut wird aufgrund des Stromas sichergestellt. Das Stroma ist die größte der sechs Hornhaut-Schichten. Die Stroma-Lamellen sind im rechten Winkel zueinander gitterförmig angeordnet und sorgen für eine transparente Hornhaut. Dementsprechend wird der Sauerstofftransport über den Tränenfilm abgedeckt.

Denn würde die Sauerstoffversorgung der Hornhaut durch Blutgefäße erfolgen, hätte dies zur Folge, dass die Hornhaut ihre Transparenz verliert. Die Lichtstrahlen, die auf das Auge treffen, würden bei einer Intransparenz der Hornhaut nur eingeschränkt das Bild auf der Netzhaut erzeugen.

Ein Weitertransport des Sauerstoffs von der Hornhaut bis zur Netzhaut erfolgt durch einen Hämoglobin verwandten Stoff, der erst kürzlich entdeckt worden ist. Das Neuroglobin ist in den Sehzellen und ihren Wegen des Abtransportes (den Neuronen) angesiedelt, wo es einen höheren Energiebedarf abzudecken gilt.

Ursachen von Sauerstoffmangel bei Kontaktlinsenträgern

Bei einer optimalen und professionellen Anpassung "schwimmen" Kontaktlinsen auf dem Tränenfilm der Hornhaut. Eine Kontaktlinsen-Anpassung von einem Augenarzt oder Optiker ist in diesem Zusammenhang äußerst wichtig, da andernfalls die Kontaktlinse nicht ausreichend mit Tränenflüssigkeit unterspült wird. Die notwendige Sauerstoffversorgung der Hornhaut kann im schlimmsten Fall nicht mehr sichergestellt werden.

Ebenso spielt das Kontaktlinsenmaterial bei der Sauerstoffversorgung der Augen eine entscheidende Rolle. In den letzten Jahren erfolgte ein Umdenken bei der Herstellung der Kontaktlinsenmaterialien. Heute bestehen moderne Kontaktlinsen, sogenannte Silikon-Hydrogel-Linsen, aus sauerstoffdurchlässigeren Materialien als dies bei älteren Kontaktlinsen der Fall ist. Die verbesserte Sauerstoffdurchlässigkeit erfolgt aufgrund der verbesserten Materialstruktur und der enthaltenen Inhaltstoffe, die eine aktive Beteiligung am Sauerstofftransport aufweisen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für eine gute Sauerstoffversorgung des Auges ist die Anwendung eines hochwertigen Kontaktlinsenreinigers und Kontaktlinsenpflegemittels. Bei unzureichender Kontaktlinsenhygiene lagern sich an der Kontaktlinsenoberfläche Ablagerungen ab und verschmutzen die Linsenoberfläche. Als Folge kann nicht mehr genügend Sauerstoff durch die Kontaktlinse zur Hornhaut gelangen.

Folgen von Sauerstoffmangel im Auge

Die Sauerstoffversorgung ist für die Aufnahme, den Transport und die chemische Umwandlung von Stoffen in Organismen sowie deren Abtransport unerlässlich. Erhält das Auge zu wenig Sauerstoff, kann der Nährstoff Glucose (Kohlenhydrat/ Einfachzucker) nicht mehr vollständig abgebaut werden und es kommt zu einer Laktatbildung an der Hornhaut (Laktat ist das Salz der Milchsäure). Die Laktatbildung stört die Pumpfunktion, die zur Entwässerung der Hornhaut notwendig ist, und verhindert den Abtransport des Wassers an der Hornhaut.

Zudem stören Laktatablagerungen die Struktur des Stromas, wodurch die Stroma-Lamellen nicht mehr im rechten Winkel zueinander stehen. Die Hornhaut verdickt. Dieser Vorgang wird als „Quellung“ der Hornhaut bezeichnet. Folglich wird die Transparenz der Hornhaut gestört. Die daraus folgende Trübung der Hornhaut schränkt das Sehvermögen ein.

Besteht ein Sauerstoffmangel in der Hornhaut kann es weiterhin zu einer Einsprossung von Blutgefäßen in die Hornhaut kommen, die vom Hornhautrand Richtung Mitte einwachsen. Die Bildung dieser Blutgefäße ist als Schutzmechanismus des Auges zu verstehen, um die notwendige Sauerstoffversorgung sicherzustellen. Besteht die Unterversorgung jedoch für eine längere Zeit wachsen diese Blutgefäße von dem Hornhautrand bis über die Pupille hinweg. Die Lichtbrechung wird gestört und die Sehqualität verschlechtert sich enorm.

Vorbeugende Maßnahmen für Kontaktlinsenträger gegen Sauerstoffmangel im Auge

Bei Kontaktlinsenträgern können professionell angepasste Kontaktlinsen dem Entstehen von Sauerstoffmangel entgegenwirken. Ein wichtiger Faktor dafür ist der Wassergehalt der Kontaktlinsen. Er gewährleistet eine höhere Sauerstoffdurchlässigkeit der Linsen. Denn die Sauerstoffmoleküle gelangen erst mit Hilfe des Wassers über die Kontaktlinse zum Auge.

Neben dem Wassergehalt der Kontaktlinse ist für einen optimalen Sauerstofftransport ebenfalls die Fähigkeit des Kontaktlinsenmaterials Wasser zu binden wichtig. Neue Kontaktlinsenmaterialien mit einer verbesserten Aufnahme- und Bindefähigkeit gewährleisten eine verbesserte Sauerstoffversorgung. Diese Kontaktlinsen (Silikon-Hydrogel-Linsen) haben ein höheres Wasserdepot und eignen sich besonders gut für Menschen mit trockenen Augen. Selbst bei ungünstigen Tragebedingungen können diese Kontaktlinsenmaterialien einen optimalen Tragekomfort gewährleisten.

Hochsauerstoffdurchlässige Kontaktlinsen (Silikon-Hydrogel-Linsen) haben zusätzlich den Vorteil bei langen Tragezeiten die optimale Sauerstoffversorgung zu gewährleisten. So kann ein angenehmer Tragekomfort unter bestmöglichen Bedingungen ermöglicht werden.